Whacky Wit auf der Internationalen Spieleerfinder-Messe in Haar

Norman war am Freitag und am Samstag auf der Internationalen Spieleerfinder-Messe in Haar bei München. Dort trifft sich einmal im Jahr die „Crème de la Crème“ der Spiele-Autoren und hofft auf die Entdeckung ihrer selbst durch Redakteure der verschiedenen Spieleverlage. 

Freitag morgen ging es los. Das Auto gepackt, die Tasche geschnappt und mit einem mehr schlechten als rechten Messebrett von Whacky Wit und ein paar Whacky Rolls im Gepäck ging es auf die Autobahn nach München. Regen die ganze Strecke entlang und ängstliche Auto- und LKW-Fahrer liessen mich dann knapp eine halbe Stunde vor der Messe-Eröffnung in Haar ankommen. Im Bürgerhaus Haar, wo die Spieleerfinder-Messe jährlich stattfindet, wurde ich dann am Autoren-Check-In um ein paar Scheine erleichtert, die Veranstaltung finanziert sich nämlich ausschließlich durch Spenden und nachdem ich mich für ein bayerisches Buffet am Abend auch noch breitschlagen ließ, war ich um 70 Euro ärmer, dafür um ein Namensschild mit einem roten Punkt und einem „Essen-Zugangs-Kärtchen“ reicher 🙂

Für mein großes Spiel habe ich mir dann einen ganzen Tisch reservieren lassen und baute in Ruhe alle meine Sachen auf, Werbemittel, Flyer, der neue Prototyp vom Whacky Roll-Verkaufsständer, den ich von Matthias Wenzel in München (bei Haar) fertigen lies (und lassen werde) und natürlich das Brettspiel an sich.

Neben mir saß ein netter Herr aus der Schweiz (der sich hoffentlich bald bei mir meldet) mit einem Spiel namens Nautilus – ein cooles Brettspiel – ebenfalls mit Magneten, kleinen Schiffchen, die via LED ein U-Boot finden und dabei Minen ausweichen. Die Schiffchen erkennen dabei den in der Spielkarte befindlichen Magneten und geben dann ein Lichtsignal ab. Ein kleiner Kompass zeigt potentielle U-Boot-Stellen auf dem Brett. Schönes Konzept. Auch er war das erste Mal auf der Spieleerfinder-Messe.

Am Freitag selbst waren einige Vertreter der Spieleverlage anwesend. Leider kennt ein Newbie die Redakteure weder vom Namen noch vom Aussehen. Man wurde per Lautsprecherdurchsage darauf hingewiesen, dass die Köpfe der Verlags-Redakteure in einer alten Ausgabe eines Spiel&Autor-Magazins zu finden sei und man dieses Heft im Foyer bekommt. Eine Art Anwesenheitsliste oder ein Erkennungsmerkmal wie einen „großen blauen Punkt an der Jacke“ gab es aber nicht. Und so war jeder, der sich an einen Autoren-Tisch heran schlich, ein potentieller Ravensburger oder die Reinkarnation von Josef Friedrich Schmidt persönlich .-) Entsprechend enttäuschend waren die Autoren-Gesichter, als die meisten Besucher an den Tischen dann doch „nur Autoren“ waren 🙂

An meinem Tisch hat sich kurz ein Redakteur von KOSMOS niedergelassen, dem das Spiel an sich gefiel, das Spielprinzip wohl auch, aber der klar sagte, dass Whacky Wit zu groß, Whacky Roll durch den Stift zu umständlich und das Spielkonzept zu Nahe an einem Computerspiel der 80er wäre. Ich kenne KOSMOS nur vom Experimentierkasten meiner Klassenkameraden 🙂 Und zur privaten Begeisterung habe ich dem Redakteur dann ein Whacky Roll geschenkt. Er solle es sich einmal angucken – und wenn er mag kann er mir mitteilen, was ihm daran gefällt oder auch nicht. „Aber nicht, dass sie jetzt irgendeine Erwartung an uns haben“. Ach was. Ich hatte sowieso nicht damit gerechnet, dass ein Verlag das Spiel in sein Programm aufnehmen will. Hatten wir doch schon im Vorfeld sogar Absagen für den reinen Vertrieb der bestehenden Spiele von Heidelberger und von Pegasus bekommen – so war damit auch klar, dass das kein Verlag veröffentlichen will – wir haben es ja auch inzwischen selbst durch Spielquader.de veröffentlicht und bauen nun einen eigenen Vertrieb auf. So what.

Das war auch der Grund, warum ich auf der Messe etwas deplatziert war – ich habe alle meine Spiele schon (im Eigenverlag) veröffentlicht. Aber ich wollte mir so eine Spieleerfinder-Messe einfach einmal angucken. Es ist schon interessant. Alte Hasen der Autorenzunft beachten einen nicht so wirklich, alle sind irgendwie „Konkurrenz“ und so unterhielten sich die, die sich schon von den letzten Jahren kannten und die anderen „bewachten“ ihren Tisch. Etliche Male kam es vor, dass andere Autoren sich Whacky Wit angeschauen haben, dann aber flink aufsprangen, sobald sich ein potentieller Redakteur dem Autoren-Tisch näherte. Lustiges Volk, diese Spieleautoren 🙂

Abends ab 18:30 gab es dann im Gasthof zur Post ein bayerisches Buffet. Das war schon sehr schmackhaft. Klar, kam ich wieder als letzter in den Gasthof und saß damit am „Kindertisch“ 🙂 Zwei Buben und ein Mad’l (wohl so zwischen 7 und 13) und zwei Irre vom Hippodice Spieleclub e.V.. Das war echt amüsant. Nachdem ein chaotisches und lautes Stadt-Land-Fluss gespielt wurde und man sich mit großen Tellern das Buffet an den Tisch geholt hat, begannen die Kinder irgendwann mit den Dessert-Löffeln und -Gabeln Katapultschießen zu starten. Ein paar Verwarnungen vom Opa später, und nachdem ich den Kids zeigte, wie man mit Pfeffer andere gezielt zum Niesen bringt und der ganze Tisch im Pfefferstaub erstarrte, hatte ich gegen kurz vor 21:30 genug Chaos gestiftet und schlich mich in mein Hotel um noch ein wenig zu arbeiten.

Whacky Wit Computeum-EditionDer nächste Tag begann nach einem ordentlichen Frühstück im Acom-Hotel in Haar wie der alte geendet hatte: sitzend am Tisch, wartend auf „Redakteure“.  Also für die anderen. Ich selbst hatte plötzlich Besuch von Hans Franke vom kommenden Computer Museum COMPUTEUM aus München, der eine Sonder-Edition von Whacky Wit im Rahmen der Crowdfunding-Aktion erhalten hatte. Wir spielten eine lockere Runde Whacky Wit und unterhielten uns über Whacky Mini und das Roll. Irgendwann gegen Ende der Veranstaltung (alle Redakteure waren wohl schon gegangen) kamen dann auch ein paar  Autoren und haben die eine oder andere Runde Whacky Wit gespielt. 

Letztendlich ist das Autorenleben echt bitter. Ich meine, da sitzen gefühlt 200 Menschen zwei Tage lang vor ihren Erfindungen, Prototypen, Skizzen und hoffen darauf, dass sie entdeckt werden – oder ihre Spiele. Ich wüsste auf Anhieb zehn Verbesserungsvorschläge, damit die Veranstaltung nicht so dröge wäre und vielleicht auch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erzielen würde. Letztendlich hat sich für mich die Teilnahme an der Spieleerfinder-Messe trotzdem gelohnt. Ich hatte viel Spaß und unterhaltsame Gespräche mit dem netten Schweizer, habe interessante Gespräche mit einem der Mitgründer der Auszeichnung „Spiel des Jahres“ geführt und hatte so die Möglichkeit ein paar Eindrücke von diesem Brettspiel-Business und den Hintergründen zu erhalten.

Wer weiß, wie sich dieses Spielquader-Konzept und die weiteren Spiele die ich im Kopf habe sich so entwickeln. Vielleicht bin ich in ein paar Jahren selbst dort als Spielesuchender unterwegs. Ob ich als Autor da noch mal hin gehe ist eher ungewiss.

2 Gedanken zu „Whacky Wit auf der Internationalen Spieleerfinder-Messe in Haar“

  1. Hallo Norman,

    vielen Dank für Deine Teilnahme an der Spieleerfinder-Messe und Deinen Bericht darüber! Ich freue mich immer, über die Veranstaltung zu lesen.

    Als Organisator der Messe bin ich natürlich an Deinen Verbesserungsvorschlägen sehr interessiert. Vielleicht magst Du mir ja unter christian(at)spiele-archiv.de Deine Ideen mitteilen?

    Herzliche Grüße
    Christian Fürst-Brunner

  2. Hört sich sehr spannend an und ist sicher interessant dort, wo so viele neue Sachen präsentiert werden. Das ein oder andere könnte ich mir denken wird sicher übersehen, trotz hohem Potential. Aber ich glaub das der Beste weg viel Werbung ist. Wie du schon sagst viel Flyer einen schönen Verkaufsständer usw.
    Alles gute weiterhin …
    MfG, Christian H.

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